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Wolfgang ten Hagen
Dr. Wolfgang ten Hagen, Frühlingstraße 1,
D-63853 Mömlingen
Zusammenfassung: Aus Nordiran (Prov. Mazanderan) wird Polyommatus (Agrodiaetus) klausschuriani spec. nov. beschrieben. Die Art ist durch die grünlichblau Flügeloberseite mit dunklen Zeichnungselementen und eine reich gezeichnete Unterseite gut charakterisiert.EinleitungA new species of the genus Polyommatus Latreille, 1804 from Iran (Lepidoptera: Lycaenidae)
Abstract: Polyommatus (Agrodiaetus) klausschuriani spec. nov. (holotype in Senckenberg-Museum, Frankfurt am Main) is described from northern Iran (Prov. Mazanderan). The species is well characterized by the greenish blue colour with dark markings on the upperside of the wings, the white scales at the basal part of the costa, and the richly patterned underside.
Im Sommer 1998 unternahm der Autor zusammen mit Dr. Klaus Schurian, Kelkheim, eine entomologische Exkursion in die Gebirge von Nordiran. Im östlichen Zentralelburs wurde an der Grenze der Provinzen Tehran und Mazanderan eine neue Art des Subgenus Agrodiaetus Hübner, 1822 gefunden. Die Fundorte befinden sich nördlich der Paßhöhe zwischen den Orten Firuzkuh und Veresk. Die Gegend wird von den Steigungsregen, die sich auf der zum Kaspischen Meer geneigten Seite des Elburs bilden, auch im Sommer erreicht und ermöglichen das Wachstum von hyrcanischem Laubwald, der wenige Kilometer entfernt auf der Südseite des Gebirges nicht mehr gedeiht.
Die neue Art wird im folgenden beschrieben:
Polyommatus (Agrodiaetus) klausschuriani spec. nov.
Holotypus Männchen: Iran, Mazanderan, Elburs, vic. Veresk, 18002000 m, 22.23. vii. 1998, leg. ten Hagen, coll. Lepidopterensammlung des Senckenberg-Museums, Frankfurt am Main, SMFL-Nummer 4178.BeschreibungParatypen: 8 Männchen, 1 Weibchen, Daten wie Holotypus, leg. et coll. ten Hagen. 1 Männchen, Daten wie Holotypus, leg ten Hagen, coll. Eckweiler (Frankfurt). 7 Männchen, 1 Weibchen, Daten wie Holotypus, leg. et coll. Schurian (Kelkheim). 1 Männchen, Daten wie Holotypus, leg. Schurian, coll. Eckweiler. 1 Männchen, Daten wie Holotypus, leg. Schurian, coll. Rose (Mainz). 1 Männchen: Iran, Tehran, Elburs, 15 km E Firuzkuh (Paß), 23002400 m, 22. vii. 1998, leg. et coll. ten Hagen.
Männchen (Abb. 12): Vorderflügellänge 16,117,2 mm (Holotypus 17,1 mm). Oberseite: Grundfarbe grünlichblau glänzend (der Farbton variiert mit Beleuchtung und Blickwinkel). Marginalsaum der Vorderflügel ca. 1 mm breit schwarz, im Hinterflügel mit basal aufgelagerten schwarzen Halbmonden. Submarginalband der Vorderflügel nach zentral diffus schwarz begrenzt, im Hinterflügel schärfer wellenförmig gezeichnet. Die Adern sind vom Marginalsaum bis ca. zur Flügelmitte gleichfalls schwarz. Diskoidalfleck fein, schwarz; Fransen weiß mit kurzen braunen Deckschuppen. Die basale Hälfte der Costalader des Vorderflügels ist mit auffällig langen, weißen Schuppen dicht besetzt. Unterseite: Grundfarbe des Vorderflügels graubraun, des Hinterflügels dunkler beigebraun. Flügelbasis wenig grünblau beschuppt. Ozellen deutlich, schwarz mit weißem Rand; einzelne Ozellen auch in der Basalregion des Vorderflügels. Vollständige marginale, graubraune Fleckenzeichnung mit hellerem Hof. Kräftige dreieckige schwarzbraune Submarginalflecke. Der breite, markante, weiße Wisch des Hinterflügels fächert nach marginal auf.
Die Fühler haben ca. 38 Fühlerglieder. Das Genital zeigt keine spezifischen Unterschiede zu dem anderer Agrodiaetus-Arten.
Weibchen (Abb. 34): Vorderflügellänge 13,414,9 mm. Oberseite: Grundfarbe braun, Marginalsaum und innere Begrenzung des Submarginalbandes dunkler schwarzbraun. Adern dunkel beschuppt. Submarginalflecke auf allen Flügeln heller abgesetzt, zum Teil mit einzelnen orangen Schuppen. Diskoidalfleck des Vorderflügels schmal, schwarz, caudal fein hell umrandet. Fransen wie beim Männchen. Costalader des Vorderflügels im Gegensatz zum Männchen nicht so auffällig beschuppt. Unterseite: Grundfarbe aller Flügel braun. Vollständige Zeichnungsanlage wie beim Männchen. Die blaue Basalbestäubung fehlt, weißer Wisch deutlich, nach marginal verbreitert.
Variationsbreite
Im Ganzen ist die Variabilität gering. Die Intensität der schwarzen Zeichnung auf der Oberseite der Vorderflügel der Männchen variiert leicht. Die blaugrüne Basalbestäubung der Hinterflügelunterseite ist bei einigen Paratypen kräftiger als beim Holotypus. Bei ca. 25 % der Falter sind 2 Basalozellen auf der Vorderflügelunterseite angelegt.
Differentialdiagnose
P. klausschuriani spec. nov. kann mit keiner anderen Art des Subgenus Agrodiaetus verwechselt werden. Die reich gezeichnete Flügelunterseite mit Basalozellen erinnert an die erschoffii-Gruppe (sensu Eckweiler & Häuser 1997; = Paragrodiaetus Rose & Schurian, 1977). P. klausschuriani ähnelt am ehesten Polyommatus (Agrodiaetus) glaucias (Lederer, 1871) (Abb. 58). Aber auch auf der Oberseite außergewöhnlich stark blau bestäubte Männchen dieser normalerweise eher schwarzbraun gefärbten Art sind leicht an der geringeren Größe, dem weitgehend reduzierten weißen Wisch und der fehlenden weißen Beschuppung der Costalader des Vorderflügels zu erkennen. Die Weibchen sind bei glaucias oberseits dunkler und mehr einfarbig braun gefärbt.
Die neue Art zeigt auf der Oberseite aber auch Ähnlichkeit mit manchen Arten der damon-Gruppe (Eckweiler & Häuser 1997). Polyommatus (Agrodiaetus) kendevani (Forster, 1956) (Abb. 910) zeigt im männlichen Geschlecht eine vergleichbare, jedoch etwas mehr blaue Grundfarbe. Die dunkle Zeichnung der Oberseite fehlt aber bis auf den breiten Marginalsaum der Vorderflügel. Bei Polyommatus (Agrodiaetus) iphigenia iphidamon (Staudinger, 1899) (Abb. 1112) ist manchmal eine ähnliche schwarze Zeichnung auf der Flügeloberseite wie bei P. klausschuriani angelegt, die Grundfarbe ist aber reiner hellblau. Alle Arten der damon-Gruppe sind unterseits weniger reich gezeichnet; Basalozellen der Vorderflügel fehlen immer.
Die Schwierigkeit bei der Zuordnung von klausschuriani spec. nov. zu einer der von Eckweiler & Häuser definierten Gruppen zeigt, daß die phylogenetische Gliederung des Subgenus Agrodiaetus noch weiterer Forschung bedarf.
Ökologie
Der Typenfundort (Abb. 13) ist ein an den Hängen mit hyrcanischem Laubwald bedecktes kleines Seitental des in Süd-Nord-Richtung abfallenden Haupttales. Im Talboden verläuft ein auch im Sommer wasserführender Bach. Die Falter wurden einzeln bei der Nektaraufnahme auf der bachbegleitenden Vegetation (unter anderem Minze) gefunden. Begleitarten sind Melanargia evartianae (Wagener, 1976), Libythea celtis (Laicharding, 1782), Mesoacidalia alexandra (Ménétriés, 1832), Argynnis paphia mazandaranensis (Gross & Ebert, 1975), Limenitis reducta reducta (Staudinger, 1901), Polyommatus (Agrodiaetus) iphigenia iphidamon (Staudinger, 1901), Polyommatus (Agrodiaetus) posthumus birunii (Eckweiler & ten Hagen, 1998), Polyommatus (Meleageria) daphnis marcida (Lederer, 1871) und Polyommatus (Meleageria) bellargus (Rottemburg, 1775).
Derivatio nominis1
Die Art wird nach Dr. Klaus G. Schurian, Kelkheim, benannt, der sich seit vielen Jahren um die Erforschung der palaearktischen Lycaeniden verdient macht.
Abb. 14: Polyommatus
(Agrodiaetus) klausschuriani spec. nov.: Abb. 1: Holotypus Männchen,
Oberseite. Abb. 2: Holotypus Männchen, Unterseite. Abb.
3: Paratypus Weibchen, Oberseite; gleicher Fundort wie Holotypus, leg.
et coll. ten Hagen. Abb. 4: dto. Unterseite.
Abb. 58: Polyommatus
glaucias: Iran, Khorasan, Kuh-e Aladag, ca. 2530 km S Bojnord, vic.
Imam Verdy, 18001950 m, 27. VII. 1998, leg. et coll. ten Hagen. Abb.
5: Männchen, Oberseite (extrem blaue Form!). Abb. 6: Männchen,
Unterseite. Abb. 7: Weibchen, Oberseite. Abb. 8: Weibchen,
Unterseite.
Abb. 910: Polyommatus
(Agrodiaetus) iphigenia iphidamon: Iran, Tehran, Elburs, 15 km E Firuzkuh
(Paß), 23002400 m, 18. vii. 1998, leg. et coll. ten Hagen. Abb.
9: Männchen, Oberseite. Abb. 10: Männchen, Unterseite.
Abb. 1112: Polyommatus
(Agrodiaetus) kendevani: Nordiran, Elbursgebirge, Kendevangebiet, 5
km N Kendevantunnel, 2500 m, 2.11. vii. 1975, leg. et coll. Schurian.
Abb.
11: Männchen, Oberseite. Abb. 12: Männchen, Unterseite.
Abb. 13: Biotop von
Polyommatus
(Agrodiaetus) klausschuriani am Typenfundort.
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